Mainstreaming OER? Dafür braucht es weniger zentrale OER Events

Ich mag es zum OER-Festival zu gehen. Auch die OERcamps, ob in Berlin oder in Hamburg, waren beispielhaft für gute, kollegiale, oft freundschaftliche Atmosphäre bei einer Konferenz. Wir zeigen uns woran wir gerade arbeiten und überlegen gemeinsam, wie ein Projekt, eine Lehrveranstaltung oder ein Tool noch besser, hübscher, sinnvoller oder auch lehrreicher werden könnte. Diese Community braucht es, insbesondere wenn viele Einzelne in der Community in ihrer jeweiligen Heimat-Einrichtung, ihrer Schule oder Uni Einzelne sind, und nicht “mainstream”. Aber es hilft uns nicht so recht beim nächsten Schritt.

Wir haben in Berlin mal offen, mal verklausuliert, über “mainstreaming” von OER gesprochen, über “open als default” und über das Management von ‘open’. Ab und an ging es um Institutionalisierung von OER, um die Umsetzung des Action Plans von Ljubljana. Und, wenn er sicher auch an manchen Stellen nicht so recht auf den deutschsprachigen Kontext passen mag, ist der Action Plan doch der Versuch für eben dieses mainstreaming mehr oder weniger umsetzbare nächste Schritte, “Actions”, aufzuzeigen. In den fünf “Challenges” findet sich Vieles wieder, das kontrovers diskutiert werden kann. In einer “Challenge” aber verbirgt sich eine “Action”, zu der ich keine kontroverse Diskussion wahrgenommen habe.  Continue reading →

Virtually Connecting beim #OERcamp17

Virtually Connecting hat meine Art über Bildungstechnologie und über Offenheit von Bildung nachzudenken im Lauf der letzten 1-2 Jahre stark beeinflusst. Meine Eindrücke von Virtually Connecting bei der Online Educa 2016 (hier und hier die jeweiligen Blogbeiträge mit wenig einfallsreicher Betitelung) sind hier vielleicht ein gutes Beispiel. Was Virtually Connecting ist, versuchen Martina Emke und ich hier zusammenzuschreiben.

Bisher habe ich Virtually Connecting nur bei englischsprachigen Events wahrgenommen. Das hat sicher den Grund, dass die Gründerinnen entweder Englisch als Muttersprache haben oder aber in ihrer täglichen Arbeit und ihrem persönlichen Netzwerk auf Englisch als Sprache zurückgreifen. Auch liegt der ‘case’ für Virtually Connecting bei einer englischsprachigen Konferenz eher auf der Hand, geht des doch u.a. um die Verbindung zu Konferenzen, die man aus welchen Gründen auch immer nicht erreichen kann. Allein die zurückzulegenden Entfernungen im englischsprachigen Kosmos von edtech und openness sind verglichen mit denen im deutschsprachigen Kontext nicht zu vergleichen, umso wichtiger virtuelle Partizipation. Die Gründe, nicht zu einer Konferenz anreisen zu können, sind so vielfältig wie es die Konferenzen oft nicht sind, können familiär, budgetär, gesundheitlich oder persönlich sein. Trumps muslim ban spielt hier eine Rolle in den USA, das zeigen verschiedene Events in diesem Jahr.

Warum nun also Virtually Connecting bei einer deutschsprachigen Veranstaltung? Zunächst einmal würde ich auch hier alle Punkte gelten lassen, die auch für englischsprachige Konferenzen oder Tagungen machen würden. Virtually Connecting ermöglicht einen anderen Blick, eine andere Perspektive. Teilnehmende einer Konferenz haben ein Fenster nach außen während des laufenden Veranstaltung. Teilnehmende von außerhalb haben die Chance einen Blick hinter die Kulissen, hinter die tweets oder auch die Livestreams zu werfen. Gleichzeitig hat Virtually Connecting aber auch einige Kollateralnutzen. Es können globale Netzwerke entstehen. Durch Virtually Connecting habe ich Kontakt zu Menschen in Mexiko, Ägypten, Kanada, den USA, und vielen anderen Regionen. Sie arbeiten an ähnlichen Fragen wie ich und sich dazu auszutauschen, voneinander zu lernen, ist bei Virtually Connecting mehr als die bloße Worthülse.

Ein anderer Nutzen kann für die Organisatoren von Events in der Verbreitung des Events selbst liegen. Virtually Connecting ist unabhängig und hat keinerlei Finanzierung in irgendeiner Form, aber allein die Tatsache, dass diese Community Teil einer Tagung oder einer Konferenz ist, kann einen positiven Effekt auf die Wahrnehmung der Veranstaltung haben.

Ein sehr oft leidiges Thema von Konferenzen ist zum Beispiel auch die Tagungsdokumentation. Im Vergleich zu so manchem PDF Tagungsband kann es durchaus belebend sein, sich eine 20-minütige Unterhaltung von Beteiligten und Unbeteiligten anzusehen. Die Aufzeichnungen der Unterhaltungen bleiben schließlich im Netz, sind auffindbar. Oft sind sie Ausgangspunkte für Blog Posts der Teilnehmenden, die sich wiederum auf die Tagung beziehen. Virtually Connecting ist damit oft Katalysator von anderen Netzwerken.

Alle diese Punkte lassen sich problemlos auch auf deutschsprachige Events wie das OERcamp übertragen. Ein Argument aber kann aus meiner Sicht nicht schwer genug wiegen: in meinem Podcast, den ich mehr oder weniger regelmäßig mit Markus Deimann aufzeichne, versuche ich immer wieder Bezüge zwischen Entwicklungen im internationalen Kontext von open education und educational technology und dem, was in Deutschland so passiert, herzustellen. Mal ironisch, mal zynisch, mal mehr oder weniger sachlich wundere ich mich dort öfter darüber, dass deutschsprachige Projekte immer wieder diese Parallelen ignorieren. Mal hat das sicher einen guten Grund, oft aber bestimmt auch nicht. Vielleicht hat Virtually Connecting ja auch den Kollateralnutzen, dass dort Verbindungen entstehen, die dieser Beobachtung entgegenwirken.

Für mich persönlich ist Virtually Connecting jedenfalls immer ein Highlight jeder Konferenz, egal ob ich on-site oder online bin. Entsprechend steigt langsam die Vorfreude auf das OERcamp in Hamburg.

Fast vergessen: wer möchte, ist natürlich herzlich eingeladen bei uns vorbei zu schauen und mitzumachen. Virtuell geht das in den beiden geplanten sessions, vor Ort planen wir eine offene session um 17:45. Oder einfach Martina oder mich ansprechen.

Titelbild unter CC0 Lizenz von Pavan Trikutam via Unsplash