Lost Wisdom – warum früher mehr Web war #rp18

tl;dr: Gemeinsam mit Markus Deimann durfte ich bei der #rp18 in Berlin sprechen. Hier nun das Video und das Manuskript meines Anteils am Gesamtwerk.

Markus hat den Talk eingeleitet und anhand einiger Beispiele das Konzept der normativen Paradoxie eingeführt. Ich glaube, dass mein Part grundsätzlich auch ohne die Lektüre von Markus’ Teil verständlich ist, empfehle aber natürlich in jedem Fall auch bei Markus nachzulesen. Hier der Link zu unserem gesamtem Talk.

Das LMS

Ich möchte nun das Bild der normativen Paradoxie nehmen und es auf das übertragen, was wir heute im Feld der Bildungstechnologien vorfinden. Und letztendlich führt der Weg von jemandem, der sich mit Bildungstechnologie beschäftigt, nicht am Learning Management System (LMS) vorbei. Das LMS ist heute nichts Neues mehr, es hat inzwischen etwa 20 Jahre hinter sich und es wurde zu einem Zeitpunkt eingeführt, als es die dahinter liegenden Technologien schon gab. Foren, Messaging, Profile oder Dateibereitstellung gab es bereits, das LMS hat all das gebündelt, mit Rechtemanagement versehen und so haben die Macher und Communities hinter dem LMS versucht, Lehren und Lernen online zu ermöglichen. Dabei war das LMS irgendwie immer nur „good enough”. Keine einzelne Funktionalität hat wirklich gut funktioniert, sah besonders gut aus oder war besonders intuitiv zu bedienen, aber es hat ausgereicht Bildungsinstitutionen und die dortigen Entscheidenden zufriedenzustellen.

Das Ziel des LMS war es also, möglichst vielen Menschen und Institutionen zu ermöglichen, dass online gelehrt und gelernt wird und das ist ja auch heute noch einer der zentralen Claims jedes LMS Providers.

Wenn man sich heute jedoch anschaut, was das LMS ist, dann lässt sich das am einfachsten in Form eines Containers oder eines Aquariums beschreiben. Man hat ein System gebaut, das nicht nur die Möglichkeiten der online Lehre bündelt, sondern man hat auch ein System gebaut, das – ganz im Sinne der Teaching Machines – Kontrolle ausübt, in dem Learning MANAGEMENT (und damit eigentlich: Teaching MANAGEMENT) betrieben wird und nicht im Sinne des ursprünglichen Claims Lernen fördert oder ermöglicht. Dies als erstes Beispiel aus der heutigen Welt der Bildungstechnologie, um das Bild der normativen Paradoxie zu verdeutlichen.

Der MOOC

Das zweite Beispiel, das ich hier einbringen möchte, ist der Massive Open Online Course, oder kurz: MOOC. Gemeint ist in diesem Talk der xMOOC, also das Modell der Massen-Distribution von Materialien an eine große Menge von Menschen, die über den Login in eine Plattform gratis zu diesen Materialien Zugang erhalten. Das (Marketing)-Versprechen der xMOOCs war es, Zugang zu Hochschulbildung im Allgemeinen zu demokratisieren, Zugänge zu schaffen wo vorher keine waren. Kurse sollten so geöffnet werden, dass sie für eine breite Öffentlichkeit („all you need is a browser on a device with Internet access”) zugänglich wurden. So wurden Kurse geschaffe, in denen sich mal „nur” 1.000 Nutzer, mal mehr als 200.000 Nutzer registriert hatten. Das Marketing-Versprechen, das bis zu einem gewissen Grad mit Sicherheit auch dem festen Glauben der Macher entsprach, war es also, Wissen aus dem Elfenbeinturm der geschlossenen Hochschulveranstaltung zu befreien und es der breiten Masse an Menschen zugänglich zu machen und zu demokratisieren. Dies sei nur vor dem Hintergrund des Konzepts der normativen Paradoxie an dieser Stelle erwähnt.

Interessant dabei ist aber auch hier, dass sich das bis zu einem gewissen Grad umgekehrt hat, dass MOOCs nicht einfach durch Öffnung – über verschiedenen Dimensionen der Öffnung zu sprechen, würde hier zu weit führen – Zugang zu Wissen demokratisieren. Das ist vermutlich keine große Überraschung für diejenigen, die sich schon vor der Verbreitung von MOOCs mit Online Zugängen zu Hochschulkursen beschäftigt haben. Die relativ ent-didaktisierte Art und Weise, in der sich ein xMOOC präsentiert – mit Videos, Multiple Choice, Foren, ohne viel Anleitung, meist ohne tutoring oder mentoring – funktioniert vor Allem für diejenigen gut, die schon relativ genau wissen, wie sie sich selbstständig Inhalte aneignen, und zwar so aneignen, dass sie auch in einer Abfragesituation in der Lage sind, diese Inhalte wiederzugeben. Das sind also diejenigen, die schon im Bildungssystem „angekommen” sind, die einen Schulabschluss oder auch einen Hochschulabschluss haben, die vielleicht derzeit ohnehin schon in einer Schule oder Hochschule angemeldet oder eingeschrieben sind. Die normative Paradoxie besteht hier also darin, dass die ursprüngliche Intention die war, Zugänge zu schaffen und zu demokratisieren, während die geschaffenen Angebote – und Ausnahmen sind hier mit Sicherheit zu finden – in erste Linie denen dienten, die bereits Zugänge hatten, wodurch eigentlich bestehende Ungleichheiten nur verstetigt und nicht aufgebrochen wurden.

Personalized Learning

Das dritte Beispiel ist eins, bei dem ich mich ein wenig kürzer fassen werde. Das liegt daran, und das haben wir auch im Verlauf der re:publica festgestellt, Begriffe noch nicht ganz trennscharf benutzt werden. Ich habe deswegen auf der Folie drei Begriffe festgehalten, die mein Beispiel am ehesten umschreiben: Artificial Intelligence (AI), Personalized Learning und Big Data. Insbesondere im Bildungskontext hängen diese Begriffe meist in irgendeiner Form zusammen und mit Personalized Learning wird meist ein Prozess beschrieben, der sich sowohl Logiken aus dem Feld Big Data als auch aus dem Feld der AI bedient. Das Versprechen personalisierten Lernens, das eigentlich trefflicher mit personalisierter Zuweisung von Inhalt und Instruktion beschrieben werden kann, ist, dass es möglich wird individuell auf einzelne Bedürfnisse und Bedarfe Rücksicht zu nehmen und so individuelle Lernpfade zu unterstützen. Es werden dafür meist viele Daten über Lernende und erhoben, diese Daten werden auf bestimmte Abhängigkeiten von Erfolgen und Misserfolgen von Lernenden überprüft und darauf basierend kann wiederum der Zugang zu Bildungsinhalten personalisiert auf bestimmte individuelle Voraussetzungen zugeschnitten werden. Das Versprechen ist es, einzelnen Menschen einen persönlich auf sie zugeschnittenen Zugang zu Inhalten zu ermöglichen. Anstatt pauschal allen zur gleichen Zeit die gleichen Inhalte und Aufgaben zuzuweisen, sollen individuelle Lernpfade kreiert werden. Klingt zunächst auch logisch und irgendwie charmant.

Die Umkehr dieser Logik ist aber auch bereits zu erkennen. Denn was sich mit diesem System der Datenerhebung und Datenanalyse ebenso erreichen lässt, zeigen bereits jetzt vereinzelte Beispiele aus US Colleges. Diejenigen, die in diesem System zu Beginn ihres Studiums als „schwach” identifiziert und gemessen werden, diejenigen, die z.B. den Mathe-Grundkurs oder andere Grundlagenfächer nicht zu Beginn mit Bravour bestehen, werden als mögliche Studien-Abbrecher identifiziert. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass sie das Studium nicht in Regelstudienzeit beenden, hat sich durch ihr unterdurchschnittliches Abschneiden erhöht. Nun führt die Identifikation dieser schwachen Lernenden aber nicht immer zu einer intensiveren Förderung oder zu Angeboten mit individueller Betreuung und Hilfestellung, sondern sie führt ebenso dazu, dass diese Studierenden systematisch bereits zu Beginn ihres Studium aussortiert und zum vorzeitigen Abbruch des Studiums ermutigt werden. Dies dient dann der Reduktion von Abbruchquoten, hinter der oft auch ein wirtschaftliches Interesse steht. Oder das ursprüngliche Versprechen, den schwachen Lernenden helfen zu wollen, wird umgedreht indem behauptet wird, man können ja durch das Aussortieren der Schwachen nun den Starken besser entgegenkommen, da Ressourcen ja nun früher besser auf die überdurchschnittlichen Lernenden gerichtet werden können. Dies geschieht selten öffentlich, sondern meist in geschlossenen Sitzungen und wird uns nur durch „leaks” bekannt. Zurückkommend auf das Bild der normativen Paradoxie hier also das perfide Bild, einerseits den schwachen Lernenden besser helfen zu wollen, andererseits aber genau diesen Menschen früher den Zugang zu Bildung und Bildungseinrichtungen verwehren zu können, teils bereits vor Studienbeginn.

Reinventing Learning

An dieser Stelle möchte ich, losgelöst von dem Konzept der normativen Paradoxie, einen Appell loswerden. Wann immer jemand sagt, er oder sie wolle Lernen mit Technologie neu erfinden, müssen wir das kritisch hinterfragen. Das heißt nicht, dass ich der Meinung sei wir würden für Lernen und Lehren keine Technologien benötigen, im Gegenteil. Aber wir müssen uns mehr Gedanken dazu machen, wie, wann und mit welcher vielleicht auch zunächst verborgenen Intention Bildungstechnologie zum Einsatz kommt, welche Narrative von Bildung und Technologie dahinterstehen. Wenn jemand so etwas persönliches wie Lernen revolutionieren möchte, indem er oder sie Menschen mit einem Tool bewirft, ist da meist wenig dran.

Was wir fördern und was wir fordern

Das nächste, was bei mir persönlich hängen bleibt, hat sich auch im Verlauf der re:publica verstärkt gezeigt. In ihrer Keynote hat danah boyd verschiedene Formen von Digital Literacy angesprochen, auch Media Literacy hat sie kritisch begutachtet – auch vor dem Hintergrund, dass Methoden diese Literacies zu fördern oft voraussetzen, dass jede Information immer kritisch hinterfragt werden soll. Dies mündet dann für Manche in einem Misstrauen gegenüber jeder Art von Information, sobald man die „rote Pille” einmal eingeworfen hat.

Kurze Notiz abseits des Talks: die Keynote von danah boyd kann ich allen empfehlen, die sie noch nicht gesehen haben. Hier ist der Link. Ich möchte in dem Kontext aber auch auf die Analysen und Arbeiten hinweisen, die sich mit danah boyd’s teils etwas verkürzter Analyse von Literacies kritisch auseinandergesetzt haben, vor allem in Replik zu ihrem Talk bei der SWSW, aber auch zu einem anderen ihrer Beiträge: Benjamin Doxtdator, Maha Bali, Renee Hobbs.

Außerdem haben wir ein paar Minuten der Virtually Connecting Session mit Jim Groom auch auf die Diskussion ihrer Keynote verwendet. Auch dazu kommt hoffentlich bald noch ein Blog Beitrag an dieser Stelle.

An dieser Stelle ein kleines Experiment in Form eines kurzen Statements für die Leserinnen und Leser hier, aber auch die Menschen im Raum bei der re:publica: Bildung und Bildungssysteme sollten zum Ziel haben, Menschen dabei zu unterstützen sich souverän und mündig im Netz zu bewegen. [Im Raum erntete ich auf das Statement überwiegende, aber dann doch nur vereinzelte Zustimmung und ich schiebe das in seiner Konsequenz in großen Teilen auf die Tatsache, dass unser Talk am letzten Tag einer dreitägigen Konferenz nachmittags stattfand.]

Interessant an diesem Statement ist, dass die Dinge, über die ich gerade gesprochen habe (das LMS, MOOCs, Personalized Learning) diesen souveränen und mündigen Umgang im und mit dem Netz überhaupt nicht fördern. Hier scheint (im besten Fall) nur ein Missverständnis vorzuliegen, wenn die Dinge die wir fördern nicht denen, die wir fordern, entsprechen.

Virtualisierung und Digitalisierung

Mein Schlusspunkt in diesem Talk soll nun aber ein anderer sein: bisher haben wir über einige Beispiele gesprochen, in denen es augenscheinlich um die Digitalisierung des Bildungssystems und des Zugangs zu Bildung geht. Aus meiner Sicht handelt es sich bei diesen Beispielen aber meist um eine Virtualisierung, und nicht um Digitalisierung. Learning Management Systeme, aber auch MOOCs, verstetigen das, was uns schon aus dem Bildungssystem bekannt ist. Sie bilden das, was wir aus der „analogen Welt” kennen, in einer „digitalen Welt” ab. Damit erfinden sie es nicht neu, sie nutzen das Digitale nur als Projektionsfläche. Technologie kann hier zwar den einen oder anderen Effekt vielleicht verstärken (Lernende können womöglich in einem LMS leichter auf ihre Leistungen, ihre Verweildauer, ihre Lernkurven und Quoten hin besser überprüft werden), aber wirklich neu ist das eigentlich nicht. Auch Personalized Learning ist zunächst nur der Versuch, etwas digital, maschinisiert oder automatisiert zu tun, das im Idealfall auch eine Lehrerin, Eltern oder ein Pädagoge „analog” tun könnten: das Finden von Stärken und Schwächen mit dem Ziel, sie zu fördern oder ihnen entgegenzuwirken.

Indem wir als Gesellschaft nun die Dinge, Logiken und Prozesse, die wir bisher genutzt haben, durch Investitionen verstetigen, manifestieren wir damit auch den jetzigen Stand des Bildungssystems, einhergehend mit einer womöglichen Verstärkung seiner Effekte durch Technologie. Digitalisierung eines Bildungssystems würde etwas anderes bedeuten. Wenn wir digitalisieren würden, würden wir neu über Kräfte- und Machtverhältnisse in der Gesellschaft nachdenken, wir würden neu über Arbeit, Meinungsbildung, Kollaboration und Kommunikation, wahr und falsch, auf gesellschaftlicher Ebene nachdenken und wir würden auch darüber nachdenken wie ein Bildungssystem auf Basis dieser neuer Gegebenheiten und Möglichkeiten aussehen müsste. Das wäre Digitalisierung im Gegensatz zu der Virtualisierung, die wir in großen Teilen bisher betrieben haben.

Bilder in Teilen via unsplash.com

CPT+10 auf deutsch – live dabei sein ohne in Berlin zu sein

Im letzten Jahr feierte die Cape Town Declaration ihren 10. Geburtstag. Mark Surman und Philipp Schmidt zogen ein durchwachsenes Fazit. In den letzten 10 Jahren sei viel erreicht worden, aber bei Weitem nicht so viel wie man sich damals gewünscht habe. Zum zehnjährigen Jubiläum kam in Kapstadt dann eine Gruppe von “Open Education Aktivisten” zusammen um einerseits bereits erreichte Fortschritte zu reflektieren, andererseits aber auch eine Richtung für die nächsten zehn Jahre auszuarbeiten. Das Ergebnisdokument, die CPT+10, enthält passender Weise zehn Empfehlungen / Handlungsfelder / Richtungen, in die Open Education weiterentwickelt werden kann. Hier ein Link zur Web-Darstellung, hier ein Link zum PDF.

Deutsche Übersetzung der CPT+10

Zu Beginn der Open Education Week am 5. März präsentiert Jöran nun seine deutsche Übersetzung in Berlin. Die vom 5.-6. März in Berlin stattfindende eQualification Tagung ermöglicht es, dass viele aus der deutschsprachigen Open Education Szene vor Ort sein werden um die deutsche Übersetzung gemeinsam in einem “Mini Sprint” zu erweitern. So wie ich die Idee bisher verstanden habe, wird es darum gehen, die CPT+10 auf den deutschsprachigen Kontext zu prüfen, zu erweitern und die zehn Handlungsfelder mit entsprechenden Empfehlungen und Ideen anzureichern.

Virtuelle Beteiligung

Nun ist vor Ort aber nicht sonderlich viel Platz, WLAN scheint wohl auch nicht gegeben zu sein. Ebenso wird nur ein Teil derjenigen, die an einer Erweiterung der CPT+10 Interesse haben könnten, in Berlin sein. Grund genug also, über eine Art der virtuellen Beteiligung nachzudenken. Hier nun also die Idee für alle Menschen, die sich gern beteiligen würden, es aber nicht in Person an dem Abend in der Bar Babette in Berlin tun können:

Ich werde vor Ort sein und zu einer YouTube Live Session einladen. Hier können insgesamt maximal 10 Menschen teilnehmen (mich eingeschlossen). Los geht es am Abend des 05. März gegen 19:30 Uhr (±15 Minuten, genaue Zeit ist noch zu klären und kann spontan abweichen).

Unserer “virtuellen Splittergruppe CPT+10” bietet sich so die Chance, live zu diskutieren, Fragen in die Runde vor Ort zu spielen und vielleicht auch Fragen aus der Runde aufzunehmen. Unsere Unterhaltung wird live via YouTube übertragen, ich werde sie in diesem Blog Post einbetten. So haben auch diejenigen eine Chance das Geschehen zu verfolgen, die vielleicht nicht unbedingt live bei YouTube sichtbar sein möchten oder zeitlich verhindert sind, aber später darauf zurückkommen möchten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort werden gemeinsam in einem Etherpad arbeiten und dort ihre Ergebnisse und Ideen dokumentieren – hier steht einer Teilnahme aus dem Netz also nichts im Wege.

Die Idee einer virtuellen Beteiligung entstand nachdem Jöran sich bei Martina Emke und mir meldete, ob das vor dem Hintergrund unserer Virtually Connecting Aktivitäten für uns interessant sei.

Was muss ich tun wenn ich Interesse habe, virtuell teilzunehmen?

Wichtig wäre mir nun, etwas mehr als eine Woche im Voraus, zu erfahren ob daran überhaupt jemand Interesse hat. Interessierte hinterlassen am besten einen Kommentar hier im Blog, ich melde mich circa 2-3 Tage vorab per email mit allen weiteren Details. Danach ist nicht mehr viel zu tun: online sein, mitreden, mitschreiben und dokumentieren.

Update: Hier nun auch das YouTube Event eingebettet

Titelbild von Charlie Marusiak via unsplash

Netzneutralität, Bildungscloud, Uploadfilter – hängt das zusammen?

Ich habe ein paar mehr oder weniger gut sortierte Fragen und Gedankenspiele in Bezug auf Bildungscloud, Uploadfilter und Netzneutralität aufgeschrieben. Hinweise zur Klärung würden mich sehr freuen.

Wer sich ein wenig für Netzpolitik interessiert, wird in den letzten Monaten und insbesondere in den letzten Wochen kaum an zwei Themen vorbeigekommen sein: Netzneutralität und Uploadfilter. Und wer sich für den Einsatz digitaler Technologie im Bildungssystem interessiert, wird zumindest im Ansatz etwas von den Plänen und Versuchen einer Schulcloud, einer Bildungscloud oder auch einer nationalen Plattform für die Hochschullehre gehört haben.

Nun mag es an mir liegen, aber ich habe es bisher nicht mitbekommen, dass diese Themen in einer Diskussion mit diesem Fokus verknüpft worden wären. Dies mag seine Ursache darin haben, dass Bildungspolitik im Wahlkampf zur Bundestagswahl praktisch keine Rolle gespielt hat und erst danach von allen an den diversen Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen beteiligten Parteien als Themenfeld erkannt wurde. Es mag auch sein, dass die meisten lieber über die plumpen “Digital first, Bedenken second” Slogans diskutierten anstatt selbst Schwerpunkte in der Netzpolitik zu setzen.

Wie dem auch sei – mir stellen sich ein paar Fragen, vielleicht sollte ich aber erst den Versuch einer Begriffsklärung und der aktuellen Einordnung unternehmen. Hier bin ich um jeden klärenden Hinweis dankbar, merke aber auch direkt an, dass ich hier “auf Sicht fahre” und dass, wenn sich jemand wirklich mit diesen Themen befassen möchte, er oder sie doch besser selbst auf Quellensuche jenseits dieses Beitrags gehen möge um sich ein Bild zu machen.  Continue reading →

Berufliches ab 2018

Am 15.12.2017 hatte ich meinen letzten Arbeitstag als Teil der Leuphana Digital School. Die letzten zwei Wochen des Jahres verbringe ich damit meinen Resturlaub zu nehmen. In verschiedenen Rollen habe ich seit 2009 an der Leuphana Universität gearbeitet, als studentische Hilfskraft, als freier Mitarbeiter, als “Leitung Projektmanagement Leuphana Digital School” (als Nachweis, dass eine derart sperrige Bezeichnung auf eine Visitenkarte in Normalgröße passt, habe ich eine aufgehoben), als Projektkoordinator und Learning Designer. Oft hat es Spaß gemacht, fast immer habe ich etwas gelernt (das war an vielen Stellen auch durchaus schmerzhaft). Wenn man von kleinen Lücken absieht, überwiegt die Gesamtdauer der Beschäftigung an der Leuphana damit auch im Vergleich zu meiner Zeit bei Daimler von 2002-2008. Damit bin ich dann vielleicht im Kontext Bildung angekommen, könnte man meinen.

Mit Beginn des neuen Jahres beginnt nun ein neuer Abschnitt, der hoffentlich ebenso prägend für mich sein wird. Ich fange bei Wikimedia Deutschland als Referent für Bildung und Wissenschaft an. Im Laufe des Sommers hatte sich diese Möglichkeit angedeutet und die Gespräche haben mich (und anscheinend auch die neuen Kolleginnen und Kollegen) davon überzeugt, dass die Zusammenarbeit funktionieren kann. Einen Teil des Teams kenne ich schon etwas länger, einen anderen Teil durfte ich im Herbst kennenlernen, unter anderem bei der Wikimedia Weihnachtsfeier, die ich leider viel zu früh schon wieder verlassen musste um zu ihrer Legendenbildung beitragen zu können. Die bisherige Aufnahme bei Wikimedia war sehr nett und zuvorkommend, oft schon fast in umheimlichen Maß: derzeit bin ich – Hörerinnen und Hörer des Feierabendbier Open Education wissen das vermutlich bereits – wegen eines Radunfalls auf Gehhilfen angewiesen und als ich mit eben diesen Krücken im Wartebereich bei Wikimedia für 5 Minuten Platz nahm, war ich der Adressat zahlreicher Besserungswünsche. Ganz schön nett, insbesondere wenn man sonst eher die Kühle einer öffentlichen Verwaltung gewohnt ist.

Letztendlich kann ich im Moment auch noch nicht viel mehr sagen. Ich habe richtig Lust auf das nächste Jahr, auf den neuen Job, die damit verbundenen Aufgaben, auf die Leute und Themen, die ich dort kennenlernen werde, und auf die Zusammenarbeit mit dem Team.

Header Image by Georg Slickers, derivative work Lämpel (Own work) [CC BY-SA 2.5-2.0-1.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5-2.0-1.0), GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Mainstreaming OER? Dafür braucht es weniger zentrale OER Events

Ich mag es zum OER-Festival zu gehen. Auch die OERcamps, ob in Berlin oder in Hamburg, waren beispielhaft für gute, kollegiale, oft freundschaftliche Atmosphäre bei einer Konferenz. Wir zeigen uns woran wir gerade arbeiten und überlegen gemeinsam, wie ein Projekt, eine Lehrveranstaltung oder ein Tool noch besser, hübscher, sinnvoller oder auch lehrreicher werden könnte. Diese Community braucht es, insbesondere wenn viele Einzelne in der Community in ihrer jeweiligen Heimat-Einrichtung, ihrer Schule oder Uni Einzelne sind, und nicht “mainstream”. Aber es hilft uns nicht so recht beim nächsten Schritt.

Wir haben in Berlin mal offen, mal verklausuliert, über “mainstreaming” von OER gesprochen, über “open als default” und über das Management von ‘open’. Ab und an ging es um Institutionalisierung von OER, um die Umsetzung des Action Plans von Ljubljana. Und, wenn er sicher auch an manchen Stellen nicht so recht auf den deutschsprachigen Kontext passen mag, ist der Action Plan doch der Versuch für eben dieses mainstreaming mehr oder weniger umsetzbare nächste Schritte, “Actions”, aufzuzeigen. In den fünf “Challenges” findet sich Vieles wieder, das kontrovers diskutiert werden kann. In einer “Challenge” aber verbirgt sich eine “Action”, zu der ich keine kontroverse Diskussion wahrgenommen habe.  Continue reading →

Virtually Connecting mit #OERde17?

Titelbild von Autumm Caines via Flickr unter einer CC-BY-NC 2.0 Lizenz

Die Vorzüge von Virtually Connecting habe ich in den letzten Monaten an verschiedenen Stellen in der deutschen OER Community angepriesen, gemeinsam mit Martina Emke habe ich im Vorfeld des OERcamp Nord hier in einem kurzen Beitrag beschrieben worum es dabei geht und wie das dann abläuft. Im Laufe des Camps in Hamburg hatten wir auch schon ein paar sessions in englischer Sprache, hier sind sie eingebettet. Wir wurden auch schon von Jöran zu Virtually Connecting befragt:

Im Vorfeld meiner eigenen Planung für das OER Fachforum in Berlin (wenn ich vom Fachforum spreche, meine ich im Zweifel auch das OER Festival und das OER Camp – was genau das eine vom anderen unterscheidet, hat sich mir nie so recht erschlossen) habe ich bemerkt, dass zwar viele, aber nicht alle an OER und offenen Bildungsformaten interessierten Menschen vor Ort sein werden. Wie auch: Lehrerinnen und Lehrern wird es vermutlich schwer fallen an einem Wochentag in Berlin zu sein, andere können aus persönlichen, beruflichen oder auch budgetären Gründen nicht anreisen. Hashtags, Streams, Periscope und Blogs werden vermutlich zur Dokumentation und Teilhabe beitragen.

Vielleicht wäre das OER Fachforum in Berlin nun aber auch der Anlass ein “Virtually Connecting Spinoff” in deutscher Sprache anzuzetteln?

Letztendlich wäre es denkbar einfach:

Technisch würde ich mich zunächst am Setup des ‘etablierten’ Virtually Connecting orientieren. YouTube Live funktioniert recht gut für live Unterhaltungen, deren Aufzeichnung und Einbettung auch auf mobilen Endgeräten. Vorab Anmeldung zu den Sessions geht per twitter, Kommentare in einem Blog oder auch ein Google Form (oder Alternativen), wenn es eine automatisierte(re) Lösung sein soll. Virtuell Teilnehmende müssten nur ihre Email Adressen preisgeben um eingeladen zu werden.

Wir bräuchten mindestens einen “Virtual Buddy”, er oder sie verwaltet die Anmeldungen von virtuellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Vorfeld, organisiert die YouTube Live Session und ist für die Kommunikation vor den sessions das Rückgrat der Kommunikation. Er oder sie muss nicht vor Ort sein. Das ginge zwar theoretisch auch, wäre aber eher unüblich. Was genau zu tun wäre, erkläre ich im Vorfeld gern.

Wir brauchen interessierte virtuelle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich in die sessions einschalten und teilnehmen – Fragen stellen, Querbezüge herstellen, einfach nur zuhören.

Wir brauchen ein paar interessante Menschen vor Ort in Berlin, die Lust haben sich für etwa 20-30 Minuten mit mir (oder auch anderen Onsite Buddies) vor eine Webcam zu setzen, mit den anderen Menschen im Hangout zu sprechen, Einblicke in die Veranstaltung zu teilen und sich mit den virtuellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu vernetzen.

Nun also die Frage: hat jemand Lust das gemeinsam mit mir auf die Beine zu stellen? Wer hätte Lust Virtual Buddy zu sein, wer wäre gern als virtuelle Teilnehmerin oder Teilnehmer dabei? Wer hätte Lust zusätzlicher Onsite Buddy zu sein? Oder täuscht mich mein Eindruck und das ist Quatsch? Für einen Kommentar hier wäre ich überaus dankbar.

Digitalisierung und Hochschule: eine Hassliebe

tl;dr: Ich wurde vom Alumni- und Förderverein der Leuphana eingeladen am 17.07. in Hamburg einen kurzen Impulsvortrag zum Themenfeld Digitalisierung und Hochschule zu halten um einen kurzen Überblick über Digitalisierung & Hochschule, insbesondere mit Bezug auf Lehren und Lernen, zu geben.

Nach einigem inneren Hin und Her habe ich mich entschieden, nicht einen schnellen Überblick über bestimmte technologische Ansätze, einzelne Hochschulstrategien oder sogenannte Leuchtturm-Projekte zu geben. Vieles davon lässt sich ohne mein Zutun prima finden, durch clevere Internet-Suche oder durch den Besuch der Websites des Hochschulforum Digitalisierung, der OER Infostelle, von Wikimedia Deutschland, der Open Knowledge Foundation oder aber den Blogs derjenigen, die dort in irgendeiner Kapazität beteiligt sind.

Interessanter – gerade für ein Publikum, das sich nicht täglich mit digitalen Medien in der Lehre befasst –  ist für mich das Bild, das von digitalem Wandel an der Hochschule gezeichnet wird. Disruption, Unabwendbarkeit, Existenzbedrohung, Rückwärtigkeit einerseits; Primat der Präsenzlehre, Tradition der Hochschule, Evolution anstatt von Revolution, Gefahren von digitalen Medien insbesondere für junge Menschen, Schüler und Studierende andererseits. So wenig erkenntnisreich diese Narrative sind, so sehr ist man ihnen ausgesetzt wenn man sich als “Newbie” mit Digitalisierung und Hochschullehre beschäftigt oder nur ab und zu ein Interview in der Wochenendausgabe einer überregionalen Zeitung liest. Man fühlt sich schon fast zur Positionierung gezwungen zwischen Techno-Solutionismus und dem Abgesang auf die Hochschule einerseits und dem ständigen Beschwören von Gefahren des Neuen, dem unreflektierten Lob des “Altbewährten” und dem vermeintlich Analogen andererseits.

Analog vs. Digital

Der künstlich heraufbeschworene Gegensatz zwischen ‘analog’ einerseits und ‘digital’ andererseits ist ein wunderbares Beispiel unreflektierter Diskussionskultur – als läge darin irgendeine Art von Erkenntnisgewinn. Rein analoge Lehre und analoge Inhaltsvermittlung mag es in der Theorie geben (jemand kauft ein Buch aus der Zeit nicht-digitaler Buchherstellung im second-hand Buchhandel oder Antiquariat), aber das hat nichts mit Lehre oder Lernen an einer Hochschule zu tun. Ebenso wenig gibt es rein digitales Lernen, wenn es auch rein digitale Verteilung von Inhalten gibt. Um ‘analog’- und ‘digital’-Verfechter zu besänftigen, wurde der Begriff “blended learning” etabliert, ein Kompromiss, der nichts anderes tut als den Alltag zu beschreiben: die Verflechtung von digitalen Methoden (oft, zum Glück aber nicht immer, verstanden als ‘home learning’ oder ‘distance learning’) und analogen Methoden (meist die Präsenz-Phase) des Lernens.

Der Inverted oder Flipped Classroom ist eine Ausprägung hiervon. So sinnvoll dieses Modell der Zusammenarbeit von Lehrenden und Lernenden sein mag, wenn es denn ‘richtig’ umgesetzt wird, so unsinnig ist es das als Revolution zu vermarkten. Sich jenseits des Seminars Wissen anzueignen und es vor Ort mit Lernenden und Lehrenden zu diskutieren, zu vertiefen, zu übertragen und weiter zu bearbeiten, ist kein neues Modell. Es ist eher antik. Dennoch schaffen es einige oft namhafte Institutionen und Personen dieses Modell auch in 2017 noch als neu zu vermarkten:

Hinzu kommt, dass in Fragen von analog vs digital stets mitschwingt, das eine sei pauschal besser als das andere. Wortgefechte gipfeln hin und wieder in Schreckens-Szenarien. Wer digitale Methoden nutzt, setzt Lernende Gefahren aus (digitale Abhängigkeit, Verdummung, Hass, Ausbeutung von Daten durch internationale Groß-Konzerne) und wer analoge Methoden in der Lehre einsetzt, ist rückständig, hat sein Berufsbild nicht verstanden, Digitalisierung schon überhaupt nicht. Beide Argumentationslinien führen höchstens zu einer Verhärtung von Fronten, zu finger-pointing.

Besser wäre es, gemeinsam mit Lehrenden und Lernenden etwaige Risiken (Sicherheit und Datenschutz sind hier sicher zu nennen) zu besprechen – ich würde immer den Standpunkt vertreten, dass im Bildungsbereich fahrlässig gehandelt wird, wenn das nicht geschieht. Gerade wenn es um digitale Methoden des Lehrens geht, sind wir von dem was die Körber Stiftung als Digitale Mündigkeit bezeichnet, noch sehr weit entfernt.

Der Einsatz sowohl von ‘analog’ als auch von ‘digital’ ist abhängig von Kontext und sollte bewusst entschieden werden – gemeinsam mit den Studis, die es letztendlich betrifft. Das eigentlich spannende sind dann die sich ändernden Verhältnisse der Lernenden zu dem jeweiligen Lernformat, der wahrgenommene Einfluss auf die Gestaltung, agency und ownership.  Continue reading →

Virtually Connecting beim #OERcamp17

Virtually Connecting hat meine Art über Bildungstechnologie und über Offenheit von Bildung nachzudenken im Lauf der letzten 1-2 Jahre stark beeinflusst. Meine Eindrücke von Virtually Connecting bei der Online Educa 2016 (hier und hier die jeweiligen Blogbeiträge mit wenig einfallsreicher Betitelung) sind hier vielleicht ein gutes Beispiel. Was Virtually Connecting ist, versuchen Martina Emke und ich hier zusammenzuschreiben.

Bisher habe ich Virtually Connecting nur bei englischsprachigen Events wahrgenommen. Das hat sicher den Grund, dass die Gründerinnen entweder Englisch als Muttersprache haben oder aber in ihrer täglichen Arbeit und ihrem persönlichen Netzwerk auf Englisch als Sprache zurückgreifen. Auch liegt der ‘case’ für Virtually Connecting bei einer englischsprachigen Konferenz eher auf der Hand, geht des doch u.a. um die Verbindung zu Konferenzen, die man aus welchen Gründen auch immer nicht erreichen kann. Allein die zurückzulegenden Entfernungen im englischsprachigen Kosmos von edtech und openness sind verglichen mit denen im deutschsprachigen Kontext nicht zu vergleichen, umso wichtiger virtuelle Partizipation. Die Gründe, nicht zu einer Konferenz anreisen zu können, sind so vielfältig wie es die Konferenzen oft nicht sind, können familiär, budgetär, gesundheitlich oder persönlich sein. Trumps muslim ban spielt hier eine Rolle in den USA, das zeigen verschiedene Events in diesem Jahr.

Warum nun also Virtually Connecting bei einer deutschsprachigen Veranstaltung? Zunächst einmal würde ich auch hier alle Punkte gelten lassen, die auch für englischsprachige Konferenzen oder Tagungen machen würden. Virtually Connecting ermöglicht einen anderen Blick, eine andere Perspektive. Teilnehmende einer Konferenz haben ein Fenster nach außen während des laufenden Veranstaltung. Teilnehmende von außerhalb haben die Chance einen Blick hinter die Kulissen, hinter die tweets oder auch die Livestreams zu werfen. Gleichzeitig hat Virtually Connecting aber auch einige Kollateralnutzen. Es können globale Netzwerke entstehen. Durch Virtually Connecting habe ich Kontakt zu Menschen in Mexiko, Ägypten, Kanada, den USA, und vielen anderen Regionen. Sie arbeiten an ähnlichen Fragen wie ich und sich dazu auszutauschen, voneinander zu lernen, ist bei Virtually Connecting mehr als die bloße Worthülse.

Ein anderer Nutzen kann für die Organisatoren von Events in der Verbreitung des Events selbst liegen. Virtually Connecting ist unabhängig und hat keinerlei Finanzierung in irgendeiner Form, aber allein die Tatsache, dass diese Community Teil einer Tagung oder einer Konferenz ist, kann einen positiven Effekt auf die Wahrnehmung der Veranstaltung haben.

Ein sehr oft leidiges Thema von Konferenzen ist zum Beispiel auch die Tagungsdokumentation. Im Vergleich zu so manchem PDF Tagungsband kann es durchaus belebend sein, sich eine 20-minütige Unterhaltung von Beteiligten und Unbeteiligten anzusehen. Die Aufzeichnungen der Unterhaltungen bleiben schließlich im Netz, sind auffindbar. Oft sind sie Ausgangspunkte für Blog Posts der Teilnehmenden, die sich wiederum auf die Tagung beziehen. Virtually Connecting ist damit oft Katalysator von anderen Netzwerken.

Alle diese Punkte lassen sich problemlos auch auf deutschsprachige Events wie das OERcamp übertragen. Ein Argument aber kann aus meiner Sicht nicht schwer genug wiegen: in meinem Podcast, den ich mehr oder weniger regelmäßig mit Markus Deimann aufzeichne, versuche ich immer wieder Bezüge zwischen Entwicklungen im internationalen Kontext von open education und educational technology und dem, was in Deutschland so passiert, herzustellen. Mal ironisch, mal zynisch, mal mehr oder weniger sachlich wundere ich mich dort öfter darüber, dass deutschsprachige Projekte immer wieder diese Parallelen ignorieren. Mal hat das sicher einen guten Grund, oft aber bestimmt auch nicht. Vielleicht hat Virtually Connecting ja auch den Kollateralnutzen, dass dort Verbindungen entstehen, die dieser Beobachtung entgegenwirken.

Für mich persönlich ist Virtually Connecting jedenfalls immer ein Highlight jeder Konferenz, egal ob ich on-site oder online bin. Entsprechend steigt langsam die Vorfreude auf das OERcamp in Hamburg.

Fast vergessen: wer möchte, ist natürlich herzlich eingeladen bei uns vorbei zu schauen und mitzumachen. Virtuell geht das in den beiden geplanten sessions, vor Ort planen wir eine offene session um 17:45. Oder einfach Martina oder mich ansprechen.

Titelbild unter CC0 Lizenz von Pavan Trikutam via Unsplash

Podcasts I Listen to

Over the last couple of months and especially since I started to record my own podcast with Markus Deimann, I have found myself in conversations on recommended podcasts. Sometimes these conversations follow a certain theme (anything related to digital pedagogy or storytelling), sometimes certain episodes are recommended. Most of the podcasts I listen to are English but some are in German as well so I decided to list them here following that categorization as well (alphabetical order). Let me know what you would recommend and what I am missing.  Continue reading →

#2016DML – Warum nicht auch in Deutschland?

tl;dr: Ich war bei der #2016DML Konferenz des DML Research Hub an der UC Irvine in Kalifornien. Inhaltliche Breite und Tiefe, der konstruktiv-kritische Blickwinkel der Teilnehmerinnen bei gleichzeitiger Begeisterung für das Erproben und Machen haben mich beeindruckt. Nun überlege ich: was können wir davon und daraus lernen, was sind mögliche Ursachen für die wahrgenommenen Unterschiede?

Vorab ein outing: ich bin Fanboy. Wenn Bezug zu Digitalisierung von Hochschullehre besteht, lese ich die Veröffentlichungen im Blog des DML Research Hub, teile sie gern, spreche darüber mit Kolleginnen, in einem Podcast und bei Konferenzen. Ich versuche Bezüge zu Entwicklungen im deutschsprachigen Raum herzustellen und empfehle jedem, der neu oder alt im Thema Digitalisierung von Bildung ist, einen Blick auf die Website des DML Research Hub. Mir fehlt also die kritische Distanz für einen möglichst objektiven Bericht zur diesjährigen Konferenz. Deswegen unternehme ich auch erst gar nicht den Versuch, sondern schildere lediglich meine Eindrücke und versuche daraus abzuleiten, was ich in den deutschsprachigen Debatten rund um EdTech, Offene Bildung und Digitalisierung von (Hochschul-)Bildung vermisse. Continue reading →